Meine Freundin, die Angst…

Meine Freundin, die Angst

Jeder kennt sie. Jeder hat sie. Mehr oder minder. Mancher wird steif, wieder andere haben die Hose voll, noch andere rennen davon. Vor Angst. Ganz schön mächtig, diese Angst. So, dass sie auf der ganzen Welt berühmt ist. Doch wo kommt sie eigentlich her, die Angst?

Sie ist mir gut bekannt. Kam ich doch nicht umhin, mich ausgiebig mit ihr zu befassen, um mich ihr entgegen zu stellen. Nachdem sie mich einige Male, in Form von Panikattacken zu Boden geworfen hatte, beschloss ich, mir meine >>Feindin<< genauer zu betrachten. Denn, kenne Deinen Feind, dann weißt Du, was er Dir anhaben kann und … Du hast weniger Schiss, Tschuldigung, Angst vor ihm. Inzwischen aber ist die Angst meine Freundin geworden. Eine Art Wegweiserin. Wie kam es dazu?

In einem anderen Leben war ich selbstständig, mit einem Taxibetrieb. Eine Frau, ein Auto. Anfangs lief es ganz gut, ich hatte den gut situierten Betrieb meines Vaters nach dessen Tod übernommen.

Dann wurden die Geschäfte schlechter. Und noch schlechter. Ständig ging das Auto kaputt. Finanzielle Ausfälle häuften sich. Die Zahlungen liefen jedoch weiter. Außerdem merkte ich, dass auch meine Ehe irgendwie nicht mehr das war, was ich mir erträumt hatte. Existenzängste sickerten in meine Hirnwindungen. Dazu die Überzeugung, dass ich ohne meinen Mann nicht zurecht kommen würde (ich war von meinem Vater gleich zu ihm gezogen). Ich schob sie immer wieder bei Seite. Stürzte mich in den Sport, das Spinning. Wie eine Irre knechtete ich meinen Körper, um ja nicht über meine Situation nachdenken zu müssen.

Eines schönen Tages, ich hatte eine gute Fahrt für gutes Geld, ging es los: Angeregt in eine Unterhaltung mit meinem Fahrgast vertieft, bekam ich Herzrasen, mir wurde schwummrig, ich wurde kurzatmig. Kalter Schweiß auf der Stirn, trockener Mund und mir schien, als seien Kopf und Körper irgendwie von einander losgelöst. >>Du kannst doch jetzt nicht rechts ran fahren und den Rettungswagen bestellen! Die fahren ja nie wieder mit einem Taxi!<< So mein Gedanke. Dass die Fahrgäste das ebenfalls nicht tun würden, sänke ich während der Fahrt ohnmächtig zusammen, auf die Idee kam ich in meiner Panik nicht. Also, weiter aufs Ziel zu. Die Unterhaltung hatte ich mitten drin eingestellt (mag auch seltsam gewirkt haben). Wir kamen am Ziel an und ich fuhr zum Arzt, der nichts feststellen konnte.

Ein paar Wochen war alles gut, ich fuhr weiter Taxi. Dann wieder, die gleichen Symptome, wieder mit Fahrgästen, wieder auf der Autobahn. Wieder fuhr ich bis zum Ziel und danach zum Arzt. Kein Ergebnis. Die Ereignisse häuften sich. Ich verließ manchmal Tage lang das Bett nicht, stellte einen Fahrer ein. Mehrfach war ich in der Notaufnahme, bis ich zu guter Letzt in der Notaufnahme der Uniklinik lag, schon den Zugang für den Herzkatheter gelegt.

Doch die Untersuchungen sprachen dagegen. Ich bekam ein Langzeit EKG. Damit ging ich in den Wald, wollte es wissen. Die Laufklamotten am Leib gab ich mir ein High intensity Training. Überraschung. Die Aufzeichnungen des EKG ergaben trotz des heftigen Trainings, dass mein Herz, außer ein paar Extra Systolen (zusätzliche Herzschläge außer der Norm) völlig in Ordnung sei. Ich habe Panikattacken. Toll und nun?

Schilddrüse untersuchen. Treffer: Hashimoto (autoimmun Erkrankung, bei der die Schilddrüse chronisch entzündet ist). Wer denkt, es wäre nun durch Medikamente erledigt gewesen, der irrt. Die Attacken peinigten mich weiter.

Ich kaufte mir Bücher über Angst. Ich wollte möglichst viel wissen, über diesen Gegner, der mir so übermächtig schien. Da stand, teils sei sie angeboren, als Überlebensmechanismus. Andere Ängste erlerne man. Da stand aber auch, dass ich, eher aus Versehen, alles richtig gemacht hatte.

Man dürfe der Angst keinen Raum geben. Müsse, wenn sie komme, warten bis sie auf einer Skala von Null bis Zehn ungefähr bei Drei sei. Erst dann solle man die Situation verlassen. Toll! Ich klopfte mir auf die Schulter, weil ich richtig gehandelt hatte. Die Beschwerden waren aber weiter gegenwärtig.

Erst als ich mich all meinen Ängsten stellte, ich verließ meinen Mann, verkaufte meinen Taxibetrieb, sprich ich gab die Existenz auf, um die ich doch so sehr gebangt hatte, wurde es besser. Ich setzte mich mehr oder weniger der Situation aus, vor der ich solche Manschetten hatte. Ich gab auf, was ich zuvor fürchtete zu verlieren. Fast zeitgleich verschwanden die Attacken, fast wie auf Knopfdruck. Das Geld ist heute manches mal knapper, als damals. Und trotzdem bin ich Beschwerde frei.

Nur durch die Kraft meiner Gedanken hatte ich die Symptome damals hervor gerufen, mich so hinein gesteigert, dass mein Mandelkern (das Zentrum der Angst im Gehirn) rot glühte.

Inzwischen habe ich eine Ausbildung zum Coach gemacht und fühle mich Pudel wohl. Helfe Menschen, ihr Leben zu meistern. Und ich fahre immer noch mit Vergnügen Taxi.

Fazit: Es ist nur Angst. Angst bringt Dich nicht um. Sie ist eine Freundin, die Dich am Leben hält. Stell Dir vor, Du hast keine Angst, wenn ein Auto auf Dich zu rauscht. Und Du bleibst einfach stehen. Ich möchte die Reste nicht weg kratzen. Gegen Phobien gibt es Coachings. Es gibt immer eine Lösung. Hab keine Angst vor der Angst. Umarme sie.

Wenn es darum geht, im Leben Veränderungen herbei zu führen und Du hast ein mulmiges Gefühl im Bauch, ist das die Angst. Und hier sage ich Dir:

DA, WO DIE ANGST BEGINNT, IST DAS ENDE DEINER KOMFORTZONE. GENAU DA IST DER WEG, DEN DU GEHEN MUSST, UM ZU WACHSEN!

ein Beitrag von Silvia Meerbothe

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